WINDKRAFT

"Ökologischer" Strom aus Windkraftanlagen 
ist vor allem für Vögel und
Fledermäuse nicht immer unproblematisch

 

 
Vor der Genehmigung einer Anlage steht in der Regel ein faunistisches Gutachten, wie es von uns z.B. für den Windpark Schwedeneck (RD) und eine Windenergieanlage angrenzend an das EU-Vogelschutzgebiet Traveförde (HL) erstellt wurde. Eine konkrete Einzelfallbetrachtung ist in jedem Fall unerlässlich.

Zu betrachtende mögliche Wirkungen:

Störwirkung: Die Bewegung der Rotorblätter führt zu erheblichen Lärmemissionen und optischen Beeinträchtigungen (z.B. Schlagschatten). Die Anlage und ihr Betrieb kann in der Nähe liegende Brut-, Rast- und Nahrungsplätze von Vögeln beeinträchtigen und unattraktiv machen.

Kollisionsrisiko: Vögel und Fledermäuse können durch Kollisionen mit den Rotorblättern oder Eis-/ Materialabwurf verletzt oder getötet werden.

 

Darstellung des Konfliktpotentials in der FFH-Vorprüfung für die Traveförde zur Ermittlung möglicher Auswirkungen

Darstellung des Konfliktpotentials in der FFH-Vorprüfung für die
                        Traveförde zur Ermittlung möglicher Auswirkungen

Allgemeines Ziel:
Vogelzug entlang der Traveförde

Erhaltungsziel:
Schutz des Brutplatzes der Sperbergrasmücke
Erhaltungsziel:
Schutz des überregional bedeutenden Rast- und Überwinterungsgebietes für Wasservögel
Auswirkungen auf
v. a. den Kleinvogelzug
Auswirkungen auf
Brutvögel
Auswirkungen auf
Wasservögel, Zug-/Rastfunktion
Konfliktpotential:
möglicherweise erheblich betroffen
Konfliktpotential:
nicht erheblich betroffen
Konfliktpotential:
erhebliche Betroffenheit kann nicht ausgeschlossen werden

 

Beeinträchtigung des Vogelzugs

Es ist davon auszugehen, dass die Zugvögel bei guten Sichtbedingungen eine Windenergieanlage optisch wahrnehmen und ihr ausweichen können. Sie stellt allerdings eine Barriere dar, deren Umfliegen energieaufwändig ist.

Viele Opfer sind Nachtzieher oder Küstenvögel (BÖTTGER et al. 1990, PEDERSEN & POULSEN 1991). Nächtliche Radarbeobachtungen weisen jedoch darauf hin, dass auch bei Nacht Ausweichmanöver durchgeführt werden (VAN DER WINDER et al. 1999). Die Vögel können wahrscheinlich bei guten Witterungsbedingungen die Drehung der Rotorblätter auch akustisch und durch die entstehenden Luftturbulenzen, die möglicherweise eine Barrierewirkung haben, wahrnehmen (CLEMENS & LAMMEN 1995).

Nachtzieher kollidieren vor allem in Zugnächten mit schlechten Witterungsbedingungen (Nebel, Niederschlag, Wind) mit Windenergieanlagen. KOOP (1999) vermutet, dass Küstenvögel bei ungünstigen Windbedingungen durch Sturmböen oder Fallwinde in den Bereich der Rotorblätter gedrückt werden.

Windenergieanlagen in stark vom Vogelzug frequentierten Bereichen wie der Traveförde stellen daher ein ökologisches Konfliktpotenzial dar.

 

Störung von Brutvögeln

Windenergieanlagen weisen eine vergleichweise geringe Störwirkung auf die meisten Brutvögel auf. In einer Studie von HÖTGER (2005) konnte kein statistisch abgesicherter Einfluss auf Brutvogelbestände durch die Windkraftnutzung nachgewiesen werden. Nur Watvögel des Offenlandes wie Kiebitze, Uferschnepfen und Rotschenkel meiden das nähere Umfeld von Windrädern tendenziell stärker als andere Brutvögel, die auch die unmittelbare Umgebung von Windkraftanlagen nutzten. Einige Singvogelarten wie z.B. die Dorngrasmücke brüten sogar verstärkt in der Umgebung von Windkraftanlagen. Hier finden sie anscheinend aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzungsaufgabe für den Nestbau geeignete Strukturen wie Ruderal- und Gebüschvegetation, die oft in der sonst wenig strukturierten Agrarlandschaft fehlen.

Angrenzende Brutplätze von Kleinvögeln wie in diesem Fall die Brutorte der Sperbergrasmücke sind nicht erheblich betroffen.

 

Störung des Rastbestandes

Eine Störwirkung von Windenergieanlagen mit drehenden Rotorblättern ist in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen worden (vgl. z.B. Themenheft "Vögel u. Windkraft" der Bremer Beiträge für Naturkunde u. Naturschutz (1999), Untersuchung zur Auswirkung des "Repowerings" von Windkraftanlagen auf Vögel und Fledermäuse (2006) von Dr. Hermann Hötker). Verschiedene Vogelarten reagieren jedoch unterschiedlich: während Vögel aus weiten offenen Landschaften (z.B. Gänse, Pfeifenten, Goldregenpfeifer und Kiebitze) die Umgebung von Windenergieanlagen eher meiden, tritt anscheinend bei Möwen, Krähen und Staren eher ein Gewöhnungseffekt ein.

KRUKENBERG & JAENE (1999) untersuchten den Einfluss von Windenergieanlagen mit einer Narbenhöhe von 50 m und einem Rotordurchmesser von 43 m (also ca. 70 m Gesamthöhe) und stellten fest, dass rastende Blessgänse bei der Nahrungssuche den dort vorhandene "Windpark" in einer Entfernung bis zu 400 m meiden und bis zu einer Entfernung von 600 m verminderte Nutzungsdichten auftreten. Dieses entspricht der 8,5 bis 9-fachen Kipphöhe der Anlagen.

Es ist daher bei der Standortwahl von Windenergieanlagen ein ausreichender Abstand von wertvollen Rast- und Nahrungsgebieten zu berücksichtigen. Einige Bundesländer wie z.B. Niedersachsen geben entsprechende Empfehlungen für Mindestabstände heraus. Für die Traveförde kann eine erhebliche Betroffenheit nicht ausgeschlossen werden.

 

Kollisionen

Die Zahl der Vögel, die jedes Jahr mit Windkraftanlagen kollidieren, lässt sich nur sehr schwer quantifizieren, da Füchse und Kleinraubtiere die Opfer wegtragen und insbesondere verunglückte Kleinvögel methodisch schwer zu erfassen sind. Relativ hohe Opferzahlen weisen Greifvögel, insbesondere Seeadler und Rotmilan auf. Die Ursachen werden in dem Forschungsprojekt "Greifvögel und Windkraftanlage", das bis Ende 2010 verlängert wurde, untersucht. Die störungsempfindlichen Gänse hingegen verunglücken seltener.

Bei systematischen Untersuchungen zu Opferzahlen an Windkraftanlagen variieren die Totfunde pro Anlage und Jahr sehr stark und liegen zwischen 0 und über 50. Ausschlaggebend für das Kollisionsrisiko ist der Standort der Windkraftanlage. Besonders gefährlich für Vögel sind Windkraftanlagen in der Nähe von Feuchtlebensräumen. Für Fledermäuse stellen Windkraftanlagen in und an Wäldern eine große Gefahr dar.

Bei der Errichtung von Windenergieanlagen ist daher auf ausreichend Abstand von Gewässern und Feuchtgebieten zu achten. Zum Schutz von Fledermäusen sind die Anlagen nicht in der Nähe von Wäldern zu errichten. Im Bereich der Traveförde besteht ein Kollisionsrisiko vor allem für Zug- und Wasservögel.