Beeinträchtigung des Vogelzugs
Es ist davon auszugehen, dass die Zugvögel bei guten Sichtbedingungen eine Windenergieanlage
optisch wahrnehmen und ihr ausweichen können. Sie stellt allerdings eine Barriere dar, deren
Umfliegen energieaufwändig ist.
Viele Opfer sind Nachtzieher oder Küstenvögel (BÖTTGER et al. 1990, PEDERSEN & POULSEN 1991).
Nächtliche Radarbeobachtungen weisen jedoch darauf hin, dass auch bei Nacht Ausweichmanöver
durchgeführt werden (VAN DER WINDER et al. 1999). Die Vögel können wahrscheinlich bei guten
Witterungsbedingungen die Drehung der Rotorblätter auch akustisch und durch
die entstehenden Luftturbulenzen, die möglicherweise eine Barrierewirkung haben,
wahrnehmen (CLEMENS & LAMMEN 1995).
Nachtzieher kollidieren vor allem in Zugnächten mit schlechten Witterungsbedingungen (Nebel,
Niederschlag, Wind) mit Windenergieanlagen. KOOP (1999) vermutet, dass Küstenvögel bei ungünstigen
Windbedingungen durch Sturmböen oder Fallwinde in den Bereich der Rotorblätter gedrückt werden.
Windenergieanlagen in stark vom Vogelzug frequentierten Bereichen wie der
Traveförde stellen daher ein ökologisches Konfliktpotenzial dar.
Störung von Brutvögeln
Windenergieanlagen weisen eine vergleichweise geringe Störwirkung auf die meisten Brutvögel
auf. In einer Studie von HÖTGER (2005) konnte kein statistisch abgesicherter Einfluss
auf Brutvogelbestände durch die Windkraftnutzung nachgewiesen werden. Nur Watvögel des
Offenlandes wie Kiebitze, Uferschnepfen und Rotschenkel meiden das nähere Umfeld von
Windrädern tendenziell stärker als andere Brutvögel, die auch die unmittelbare Umgebung
von Windkraftanlagen nutzten. Einige Singvogelarten wie z.B. die Dorngrasmücke brüten
sogar verstärkt in der Umgebung von Windkraftanlagen. Hier finden sie anscheinend
aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzungsaufgabe für den Nestbau geeignete Strukturen
wie Ruderal- und Gebüschvegetation, die oft in der sonst wenig strukturierten
Agrarlandschaft fehlen.
Angrenzende Brutplätze von Kleinvögeln wie in diesem Fall
die Brutorte der Sperbergrasmücke sind nicht erheblich betroffen.
Störung des Rastbestandes
Eine Störwirkung von Windenergieanlagen mit drehenden Rotorblättern ist in zahlreichen
Untersuchungen nachgewiesen worden (vgl. z.B. Themenheft "Vögel u. Windkraft" der
Bremer Beiträge für Naturkunde u. Naturschutz (1999), Untersuchung zur Auswirkung
des "Repowerings" von Windkraftanlagen auf Vögel und Fledermäuse (2006) von Dr. Hermann Hötker).
Verschiedene Vogelarten reagieren jedoch unterschiedlich: während Vögel aus weiten offenen
Landschaften (z.B. Gänse, Pfeifenten, Goldregenpfeifer und Kiebitze) die Umgebung von
Windenergieanlagen eher meiden, tritt anscheinend bei Möwen, Krähen und Staren eher
ein Gewöhnungseffekt ein.
KRUKENBERG & JAENE (1999) untersuchten den Einfluss von Windenergieanlagen mit einer Narbenhöhe von
50 m und einem Rotordurchmesser von 43 m (also ca. 70 m Gesamthöhe) und stellten fest,
dass rastende Bläßgänse bei der Nahrungssuche den dort vorhandene "Windpark" in einer
Entfernung bis zu 400 m meiden und bis zu einer Entfernung von 600 m verminderte
Nutzungsdichten auftreten. Dieses entspricht der 8,5 bis 9-fachen Kipphöhe der WEAs.
Es ist daher bei der Standortwahl von Windenergieanlagen ein ausreichender Abstand
von wertvollen Rast- und Nahrungsgebieten zu berücksichtigen. Einige Bundesländer wie z.B.
Niedersachsen geben entsprechende Empfehlungen für Mindestabstände heraus (NLT 2007).
Für die Traveförde kann eine erhebliche Betroffenheit nicht ausgeschlossen werden.
Kollisionen
Die Zahl der Vögel, die jedes Jahr mit Windkraftanlagen kollidieren, lässt sich nur
sehr schwer quantifizieren, da Füchse und Kleinraubtiere die Opfer wegtragen und
insbesondere verunglückte Kleinvögel methodisch schwer zu erfassen sind.
Relativ hohe Opferzahlen weisen Greifvögel, insbesondere Seeadler und Rotmilan auf.
Die Ursachen werden in dem Forschungsprojekt "Greifvögel und Windkraftanlage", das bis
Ende 2010 verlängert wurde, untersucht. Die störungsempfindlichen Gänse hingegen
verunglücken seltener.
Bei systematischen Untersuchungen zu Opferzahlen an Windkraftanlagen variieren
die Totfunde pro Anlage und Jahr sehr stark und liegen zwischen 0 und über 50.
Ausschlaggebend für das Kollisionsrisiko ist der Standort der Windkraftanlage.
Besonders gefährlich für Vögel sind Windkraftanlagen in der Nähe von Feuchtlebensräumen.
Für Fledermäuse stellen Windkraftanlagen in und an Wäldern eine große Gefahr dar.
Bei der Errichtung von Windenergieanlagen ist daher auf ausreichend Abstand
von Gewässern und Feuchtgebieten zu achten. Zum Schutz von Fledermäusen sind die Anlagen
nicht in der Nähe von Wäldern zu errichten. Im Bereich der Traveförde besteht ein
Kollisionsrisiko vor allem für Zug- und Wasservögel.